Bundesliga: Wer behält die Nerven im Abstiegskampf

By | 15. Mai 2015
Verlässt Marcell Jansen den HSV im Winter in Richtung Benfica Lissabon?

Foto: Kathi Rudminat / flickr

Die Bundesliga-Saison 2014/15 neigt sich langsam aber sich dem Ende zu. Noch zwei Spieltage stehen an, und während die Meisterschaft bereits seit Wochen entschieden ist, geht es im Abstiegskampf noch heiß zur Sache. Sechs Teams können rein rechnerisch noch absteigen und mittlerweile geht es gar nicht mehr so sehr um das sportliche, sondern viel mehr um die Frage, wer die Nerven im Abstiegskampf behält.

Gerade einmal vier Punkte trennen den Tabellenletzten in der Fußball-Bundesliga (VfB Stuttgart) vom 13. Rang (Hertha BSC Berlin). Zwischen diesen Vereinen sind noch die Teams aus Paderborn, Hannover, Hamburg und Freiburg. Alle sechs werden aller Voraussicht nach bis zum 34. Spieltag um den Klassenerhalt bangen und um jeden Punkt kämpfen.

Der größte Optimismus dürfte derzeit beim HSV herrschen, die Rothosen haben zwei der letzten drei Spiele gewonnen und am vergangenen Spieltag mit dem 1:1-Unentschieden gegen Freiburg zumindest einen Punkt gesichert. Bruno Labbadia scheint dem sicheren Absteiger neues Leben eingehaucht zu haben. Die Hamburger sind das einzige Bundesliga-Gründungsmitglied, das bisher noch nie abgestiegen ist und dies soll auch diese Saison so bleiben.

Auch beim VfB Stuttgart wird man nach dem 2:0-Erfolg gegen den 1. FSV Mainz 05 ein wenig besser schlafen können. Die Schwaben sind zwar nach wie vor auf dem letzten Platz, aber der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt „nur noch“ einen Punkt. Am Samstag kommt es in der Mercedes-Benz Arena zum Showdown zwischen Stuttgart und dem HSV. Beide Teams würden mit einem Sieg einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt machen, eine Niederlage wäre eine Katastrophe und ein Punkt würde keinem der beiden Teams wirklich weiterhelfen. Die Hamburger könnten sich, je nachdem wie die anderen Mannschaften im Tabellenkeller spielen, sogar vorzeitig retten und für den VfB könnte bei einer Heimniederlage auch der vorzeitige Abstieg bereits feststehen.

Wer behält die Nerven im Abstiegskampf?

Es ist schon paradox, dass eine gesamte Saison am Ende nur an zwei Spielen entschieden wird. Natürlich haben die 32. Spieltage zuvor und deren Ergebnisse Einfluss auf die Lage, dennoch kann man mit zwei guten Spielen eine gesamte (verkorkste) Saison retten.

Im Abstiegskampf fordern die Fans in der Regel die Fußballtugenden von ihren Spielern ein, d.h. laufen bis zum Umfallen, kämpfen bis zur letzten Sekunde und unbändigen Willen. Alle diese sog. „Tugenden“ haben natürlich eine physische Komponente (Fitness), doch im Abstiegskampf spielt die psychische Komponente eine viel wichterege Rolle. Der drohende Abstieg hemmt viele Spieler und führt zu einer Blockade im Kopf. Doch gerade im Abstiegskampf ist es wichtig seine Emotionen und Gefühle im Griff zu haben um auch das vorhandene Talent und seine Fähigkeiten auf höchstem Niveau abrufen zu können, dass belegt auch eine aktuelle Studie.

Entscheidend ist auch die Erfahrung, die die Mannschaften bzw. Spieler mitbringen. Für den SC Paderborn 07 stand als Aufsteiger zwar von Anfang an fest, dass sie gegen den Abstieg spielen werden, dennoch ist es eine andere Erfahrung als im Vorjahr, in dem man aufgestieg und die gesamte Saison ein Erfolg war. Der SC  Freiburg hat sicherlich auch einen Vorteil gegenüber Hannover 96, während der Sportklub kontinuierlich gegen den Abstieg spielt, hatte Hannover in den letzten Jahren damit nichts mehr zu tun. Den Spielern fehlt es schlichtweg an Erfahrung, um eine solche Situation meistern zu können.

Immer mehr Vereine in der Bundesliga arbeiten heutzutage mit Sportpsychologen, diese sind fester Bestandteil der ärztlichen Betreuung. Die psychische Komponente wird oftmals unterschätzt, kann jedoch in entscheidenden Momenten wie im Abstiegskampf entscheidend sein.

Kommentare

comments