Ein Stück Fußballgeschichte: Relegationskrimi im Doppelpack

By | 8. Juni 2015
Rafael van der Vaart sieht seine Zukunft beim HSV

Foto: Kathi Rudminat / flickr

Die diesjährige Relegation hatte es wirklich in sich. Erstaunlich waren dabei vor allem die Parallelen: Zwei strauchelnde Favoriten, die jeweils per Last-Minute-Tor am Leben bleiben. Doch diese Erfolge dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass sowohl 1860 als auch der HSV großen Aufholbedarf haben, um nicht in einem Jahr in derselben Situation zu sein.

Dass es knapp werden würde, haben die Quoten von Digibet bereits erahnen lassen. Mit einem solchen Krimi war jedoch nicht zu rechnen. Oder besser gesagt: mit zwei solchen Krimis. Denn am Montag machte der HSV mit dem nervenzerreißenden 2:1-Sieg gegen Karlsruhe den Anfang; die Stadionuhr läuft also mindestens ein Jahr weiter, der Dino darf Dino bleiben. Zur Erinnerung: Schon letzte Saison war es knapp, sehr knapp sogar, und dass es der KSC dem HSV noch schwerer gemacht hat als die Fürther im letzten Jahr, sollte den Verantwortlichen an der Elbe Warnung genug sein. Denn sollte der HSV ein drittes Mal in Folge zum Nachsitzen antreten müssen, klingen Satire-Vorschläge wie die Schweinchen-Symbole gar nicht mehr so abwegig.

Auch Sechzig hält die Klasse – droht ein Trainerwechsel?

Immerhin ein Verein scheint sich den HSV als Vorbild genommen zu haben. Anders lässt sich kaum erklären, dass 1860 gegen den Drittligisten Holstein Kiel ein beinahe ebenso absurdes Drama ablieferte. Der Ausgang war derselbe: Ein Tor zum Schlusspfiff entschied die Partie, die Löwen dürfen zweitklassig bleiben, auch wenn der Verein aus München-Giesing sich eigentlich als Erstligisten sieht. Fraglich deswegen, ob Trainer Fröhling auch in der kommenden Saison an der Seitenlinie stehen wird.

Diese Baustelle hat der HSV aktuell nicht – zumindest vorerst: Die Hanseaten sind dafür bekannt, ihre Trainer schneller auszutauschen, als Bayern München Meisterschaften gewinnt, doch Labbadia wurde von Anfang an als Dauer-Lösung geholt. Der Klassenerhalt dürfte Labbadias Position noch gestärkt haben; der ehemalige Top-Stürmer darf also damit rechnen, noch längere Zeit Trainer der Rothosen zu sein. In HSV-Relationen ausgedrückt bedeutet das: Bis zum Ende der Vorbereitung – mindestens.

Ein Umbruch steht dem HSV dennoch hervor. Top-Verdiener wie Rafael van der Vaart werden den Verein verlassen, dazu kommen viele Spieler, hinter denen ein großes Fragezeichen steht. Allen voran Lewis Holtby: Der ehemalige U21-Star wurde mit großen Erwartungen nach Hamburg gelockt, konnte diese jedoch nicht ansatzweise erfüllen. Auch in der Relegation wirkte Holtby bestenfalls bemüht. Gemessen an seinem Gehalt ist das zu wenig; allerdings gilt diese Behauptung seit vielen Jahren für viele Angestellte des Sportvereins, und zwar nicht nur unter den Lizenzspielern.

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