FIFA-Präsident Blatter erklärt in außerordentlicher Pressekonferenz seinen Rücktritt

By | 8. Juni 2015
FIFA-Präsident Blatter erklärt in außerordentlicher Pressekonferenz seinen Rücktritt

Foto: Marcello Casal Jr./ABr / Wikipedia (CC BY 3.0 BR)

 „Ich habe mich entschlossen zurückzutreten. Wir brauchen jetzt Zeit, um den bestmöglichen Kandidaten für dieses Amt zu finden. Wir müssen große Reformen einleiten. Schon jetzt müssen wir die Reformen weiter vorantreiben.“ verkündete FIFA-Präsident Sepp Blatter vergangene Woche in einer außerordentlichen Pressekonferenz. Eine Entscheidung, die so unwahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto scheint und mit der wirklich niemand rechnete – hatte Blatter sich doch trotz aller Kritik erst vor kurzem zum fünften Mal als Oberhaupt der FIFA wiederwählen lassen. Seine Amtszeit ging er typisch selbstbewusst an: „Ich bin Präsident aller“ gab er nach der Wahl bekannt.

Jetzt, nicht mal eine Woche nach der Wahl, scheint nach 17 Jahren im Präsidentenamt der Fußballvereinigung und fast 40 Jahren in der FIFA selbst, seine Amtszeit vorbei zu sein. Konkrete Gründe für seinen Rücktritt gab der 79 Jahre alte Schweizer nicht bekannt.

„Ich fühle nicht, dass ich das Mandat der gesamten Fußballwelt habe – von Fans, Spielern, Clubs, den Leuten, die Fußball leben, atmen und lieben, so wie wir es alle bei der Fifa tun.“ begründete Blatter gestern selber seinen Rücktritt. Verwunderlich, wenn man bedenkt, dass ihn dieser kleine Umstand im Laufe seiner Karriere noch nie sonderlich gestört zu haben scheint. Das ihm die Unterstützung vieler großer Fußballnationen fehlt war schon vor der Wahl mehr als offensichtlich, hagelte es doch von allen Seiten Kritik. Allen voran von Uefa-Präsident Michel Platini, der sogar Blatters Rücktritt forderte.

Doch selbst ein FIFA-Urgestein wie Blatter scheint nicht unantastbar zu sein. Erst letzte Woche waren Funktionäre des Welt-Fußballverbandes verhaftet worden – eine Festnahme, die den größten Skandal in der Geschichte der FIFA los trat. Ihnen wird Geldwäsche, Betrug unter Einsatz von Telekommunikationsmitteln und organisiertes Verbrechen vorgeworfen, nachdem eine mysteriöse Überweisung in Höhe von $10 Millionen auf dem Radar der US-Ermittler erschien. Jetzt will der US-Sender ABC aus zuverlässigen Quellen erfahren haben, dass auch Sepp Blatter Teil der Ermittlungen im Bestechungsskandal ist:


Es ist lange nicht der erste Skandal in den der Schweizer im Laufe seiner Karriere verwickelt wurde. Schon bei seiner ersten Wahl zum FIFA-Präsidenten warf man Blatter, der damals in seiner Funktion als Generalsekretär antrat, Bestechung afrikanischer Delegierter vor. Handfeste Beweise gab es jedoch nie und auch Blatter selber weißt diese Vorwürfe bis heute von sich. Diesmal scheint er aber nicht unversehrt aus der Affäre von dannen schreiten zu können.
Die Entscheidung Blatters zurückzutreten wurde in der Fußballwelt weitestgehend positiv begrüßt. UEFA-Präsident Platini nannte Blatters Rücktritt eine schwierige, eine mutige und eine richtige Entscheidung. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bezeichnete die späte Entscheidung des Schweizers als eine Tragik, hätte man doch allen viel ersparen können.

Selbst Marie Harf, Sprecherin des US-Außenministeriums, äußerte sich auf Nachfrage eines Journalisten zu den Spekulationen, dass die US-Regierung eine Rolle im Rücktritt des FIFA-Präsidenten gespielt habe. Wies jedoch jede Verwicklung zurück. Die Vereinigten Statten hätten keine Position zu der Frage, wer der Präsident der FIFA ist betonte Harf. Außerdem ‚tendiere Sie dazu dem American Football etwas mehr Beachtung zu schenken.‘

Eins ist jedoch sicher, mit einem Schlag die Probleme der FIFA lösen wird Sepp Blatters Rücktritt nicht, eröffnet aber die Möglichkeit eines Neubeginns und der konkreten Umstrukturierung des Weltverbandes. Welche Auswirkungen der Skandal im Fußball auf die EM 2016 in Frankreich haben wird, steht noch nicht fest.
Wer Blatters Nachfolge antreten soll, wird in einem außerordentlichen Kongress, der zwischen Dezember 2015 und März 2016 stattfinden soll, entschieden. Bis es zur Neuwahl kommt wird Blatter vorerst im Amt bleiben.

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